UN/EDIFACT

Aufgrund der Vielzahl der entwickelten EDI -Protokolle, die untereinander nicht austauschbar waren, entstanden Kompatibilitätsprobleme. Kein Industriezweig konnte trotz des eigenen EDI-Einsatzes mit einem anderen kommunizieren, es sei denn, einer von beiden Partnern war bereit, den EDI-Standard der jeweils anderen Branche zu implementieren. Das war aus verständlichen Gründen nur in den seltensten Fällen erwünscht. Es herrschte also große Unsicherheit über die Zukunftsfähigkeit einer für wenige Anwender entworfenen Branchenlösung. Viele Teilnehmer sind daher nur erzwungenermaßen in EDI eingestiegen. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen hat lange Zeit ganz auf den elektronischen Datenaustausch verzichtet.

Dieser Zustand war nicht akzeptabel und die Verunsicherung durch die verschiedenen inkompatiblen Systeme hat der Verbreitung von EDI insgesamt geschadet. In den achtziger Jahren nahm sich eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen und der Europäischen Gemeinschaft (UNECE - United Nations Economic Commission for Europe) der Problematik an. Ziel war es, einen EDI-Standard mit den folgenden Eigenschaften zu entwerfen:

  • weltweite Gültigkeit
  • Eindeutigkeit der Bedeutung der Datenelemente
  • Branchenneutralität
  • Anwendungsunabhängigkeit
  • Unabhängigkeit von Rechnerhardware und Kommunikationsnetz

Das Ergebnis war UN/EDIFACT. Die Richtlinien wurden 1987 von der ISO übernommen (ISO 9735). Mit EDIFACT (Electronic Data Interchange For Administration Commerce and Transport) ist ein weltweit gültiger Standard entstanden.

EDIFACT - Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport
branchenunabhängiges Regelwerk mit Datenbezeichnern für die Strukturierung von EDI-Nachrichten. Weit über 200 verschiedene Geschäftsdokumente lassen sich im EDIFACT-Format abbilden.

EDIFACT wurde auch in die EN- und DIN-Normen übernommen und ist damit ein weltweit ratifiziertes Regelwerk, das den elektronischen Austausch von Handelsdokumenten im Rahmen des branchenübergreifenden Geschäftsverkehrs ermöglicht.


Abbildung: UN/EDIFACT

Über die Jahre ist eine Vielzahl möglicher Nachrichten in EDIFACT festgelegt worden. Mittlerweile existieren über 220 Nachrichtentypen. Dies erlaubt den automatischen Austausch von strukturierten Daten zwischen IT-Applikationen von Geschäftspartnern weltweit. Praktisch alle im heutigen Wirtschaftsleben relevanten Geschäftsvorfälle werden durch EDIFACT abgedeckt. Einige häufig verwendete Nachrichtentypen sind:

  • ORDERS (Bestellung)
  • DESADV (Lieferavis)
  • INVOIC (Rechnung)
  • PAYMUL (Multipler Zahlungsauftrag)

EDIFACT bedeutet zum einen die Unterstützung hoher Datenvolumina, die regelmäßig zwischen beteiligten Partnern ausgetauscht werden, beispielsweise als Bestellungen oder Rechnungen. Zum anderen ist die präzise Struktur des Datenaustauschs, technisch wie vertraglich, bezeichnend. Längst nicht alle Nachrichtentypen sind jedoch sinnvoll umzusetzen, da sie sehr spezifische Vorgänge beschreiben. So ist in den meisten Unternehmen allenfalls ein Bruchteil der theoretisch denkbaren EDI-Datentypen realisiert. In einzelnen Branchen haben sich aus diesem Grund schon Subsets gebildet, die die Anforderungen der jeweiligen Branche widerspiegeln und von den Verbänden gepflegt werden.

Software.UN-Edifact by Katrin Reiher at 09.03.2007 11:52

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