Probleme von EDIFACT
Ein Standard ist immer nur dann ein echter Standard, wenn er auch überall akzeptiert und befolgt wird. Schließlich und endlich wird immer das zum wahren Standard werden, was die meisten Anwender einsetzen können und wollen, unabhängig von Normen oder Richtlinien. Es gibt genügend Beispiele für gute Produkte und Verfahren, die es trotz ihrer Qualität nicht zum Standard gebracht habe, weil sie vom Anwender nicht akzeptiert wurden.
Hier liegt einer der Kritikpunkte an EDIFACT. Zwei Faktoren haben in der Vergangenheit die Einsatzfähigkeit und damit auch das Vertrauen der Anwender empfindlich gestört:
- Langwierige Entscheidungsprozesse im Rahmen der Standardisierung
- Hohe Komplexität der Datenprotokolls
Gerade die Zielsetzung, alle Branchen zu berücksichtigen und eine weltweite Norm zu schaffen, haben große Probleme mit sich gebracht. Sie entstanden durch die relativ langsame Entwicklung der weltweit einheitlich festzulegenden EDIFACT-Regeln und Nachrichten. Die große Anzahl teil- und einflussnehmender Parteien hat die Entwicklung der Normen zu einem zeitintensiven Prozess gemacht, da stets die Interessen zahlreicher potentieller Nutzer geprüft, bewertet und umgesetzt werden mussten.
Herausgekommen ist ein sehr umfangreiches und ziemlich komplexes Protokoll, das zwar nahezu jeden erdenklichen Geschäftsvorgang abdeckt, dafür aber auch bei nahezu allen Anwendungen viel mehr Funktionalität - und damit auch mehr potentielle Fehlerquellen und mehr Implementierungsaufwand - mit sich bringt, als das eigentlich notwendig wäre.
Einige Industriezweige konnten und wollten den langwierigen Normungsprozess bis zur endgültigen Freigabe nicht abwarten. So entstanden Speziallösungen für bestimmte Branchen, die zwar die EDIFACT-Grundregeln einhielten, jedoch die Datenelemente und Segmente ohne Rücksicht auf die Normbelegung von EDIFACT nach den speziellen Anforderungen der Einzelbranche anders definierten oder interpretierten. Der Standard wurde also schon aufgeweicht durch Ergänzungen und Auslassungen, bevor er überhaupt endgültig fertiggestellt war.
Untereinander waren die Einzellösungen nicht kompatibel. Die so entstandene Vielfalt hat der weiteren Verbreitung von EDIFACT geschadet, da niemand in einen Standard investieren will, der später dann kein echter Standard mehr ist.
Software.ProblemeVonEDIFACT by Katrin Reiher at 26.02.2007 10:45
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