Mehrwert und Strategie
Eine der Möglichkeiten, die direkte Kosten-Nutzen-Diskussion zu vermeiden, ist die Betrachtung der automatischen Identifikation von einem strategischen Standpunkt aus.
Einflussfaktor Prozesshoheit
Darüber hinaus könnte eine strategische Sichtweise eine Rolle spielen. Wenn z.B. die Wettbewerber noch keine Anforderungen an ihre Lieferanten stellen, kann es vorteilhaft sein, die ersten Projekte mit den Lieferanten durchzuführen, um so bilaterale Standards zu setzen, an denen sich die später kommenden Wettbewerber orientieren müssen.
Der wichtigste Einflussfaktor ist schließlich die Frage der Prozesshoheit. Damit ist die Macht gemeint, Veränderungen in einem Prozess durchsetzen zu können. Dabei sind drei Arten der Prozesshoheit zu unterscheiden.
- Unilaterale Prozesshoheit - der Retailer kann über alle Aspekte des Prozesses frei entscheiden. Dies ist bei unternehmensinternen Abteilungen der Fall und im Sinne einer faktischen unilateralen Prozesshoheit bei vollständig abhängigen Partnern/Lieferanten gegeben.
- Bilaterale Prozesshoheit - der Retailer muss mit einem Partner/Lieferanten über die Durchsetzung seiner Anforderungen verhandeln.
- Multilaterale Prozesshoheit - der Retailer ist eine von mehreren Parteien, die ein Interesse an dem Prozess und seinen Elementen haben.
Im Falle unilateraler Prozesshoheit spielen technische Standards keine Rolle. Wenn sich das Projekt rechnet, steht der Realisierung nichts im Wege.
Anders sieht dies schon bei einer bilateralen Prozesshoheit aus. Der Partner muss gleichfalls Nutzen vom Einsatz des Identsystems haben. Dieser Nutzen kann sich entweder durch die Technologie selbst oder durch eine Abfindung durch den Retailer darstellen lassen.
Am schwersten beherrschbar ist multilaterale Prozesshoheit. Dies gilt grundsätzlich bei einem Lieferanten mit Produkten, auf die die Endkunden keinesfalls verzichten möchten, der sehr viele andere Handelskonzerne beliefert (horizontale Multilateralität) oder bei einer Supply Chain, die über verschiedene Wertschöpfungsstufen verläuft (vertikale Multilateralität). Hier greifen dann Kooperative Systeme (EAN: European Article Numbering und der EPC: Electronic Product Code).
Der Mehrwert von Auto-ID
Indirekte Resultate oder Vorteile sollten beim Auswerten eines Projektes ebenfalls untersucht werden. Diese Vorteile sind genau so realistisch wie die kostenreduzierenden Faktoren. Die folgende Liste zeigt, auf welche Bereiche die Einführung eines Auto-ID -Systems indirekt Auswirkungen haben kann.
- besserer Kundenservice
- verminderte Aufsicht
- verminderter Ausbildungsstand
- weniger Unordnung, der Arbeitsplatz sieht besser aus
- Verminderung von Produktionsverlusten
- Verminderung von Beschädigungen an Endprodukten
- Erfahrung mit neuer Technologie
- größere Flexibilität
- weniger Gegenwehr bei neuen Projekten
- Verminderung der „Papierwüste“
- produktiveres Management
- Begrenzen der Generierung von nutzlosen Daten
- schnellere Lieferungen
- bessere Qualität der Arbeit und Arbeitsumgebung
- schnellere Produkteinführung
- erhöhte Zuverlässigkeit der Produkte
- Durchführen von Veränderungen im Entwurf
- verbessertes Verhältnis von Lieferanten zu Abnehmern
- flexiblere Einsatzmöglichkeiten von Mitarbeitern
- höhere Produktivität von Mitarbeitern
- effektiverer Einsatz von Produktionsmaschinen
- weniger Handgriffe notwendig
- weniger interner Transport
- weniger Abfall
- weniger Korrekturen
- Verbesserung der Umrüstzeiten
- höhere Produktqualität
- mehr Disziplin im Produktionsprozess
- verbesserte Sicherheit
- bessere Planung
- Synergien mit anderen Apparaten und Maschinen
- Vorbereitung für weitere Integration
Roi.MehrwertUndStrategie by Katrin Reiher at 30.04.2007 10:01
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