True Lies
Von Zeit zu Zeit bekommt man zu hören, wie die fast kostenlosen Funkchips wahre Wunder vollbringen. Sie funken problemlos aus einem Faradayschen Käfig, liegen direkt aufeinander und stören sich nicht, sie beinhalten alles was man über ein Objekt überhaupt wissen kann und will, sie benötigen keine Energie und funken über dutzende Meter, ihre Rechenkapazität grenzt an Supercomputer. Das ist nicht mal Science Fiction, weil vollkommen unwissenschaftlich.
Star Trek ist die automatische Selbstzaherkasse, wo man einfach durchgeht und alles wird automatisch identifiziert und das Geld auch gleich vom Konto abgebucht. Solche Vorführungen werden gerne mit hübschen Damen auf Messen gemacht. Das sieht gut aus, gibt auch schöne Photos und klingt echt interessant. Nachfragen über die Praxis werden mit dem Hinweise auf die technologische Weiterentwicklung abgebügelt.
Und was ist mit dem Future Store - Die Zukunft des Handels hat begonnen? Nun abgesehen vom Phantasialand-Effekt für Techniker, Vorstände und Top-Models wird hier die Verknüpfung von Einzelanwendungen neuer Technologien oder einzelnen Systemen im komplexen Zusammenspiel miteinander getestet, also Systemintegration - eine echte Herausforderung. Vielleicht hilft eine Reflexion über Kundennutzen, Transparenz und Kostenvorteilen den Future Store richtig zu werten.
Und doch wird RFID die Zukunft der Händler, Hersteller und Konsumenten entscheidend prägen. Mit dem Aufkommen der sogenannten Smart Labels (hauchdünner Transponder in Folie auf 13,56 MHz-Basis) Ende der 90er Jahre, trat verstärkt die Auffassung zu Tage, dass dieses Medium sehr schnell das Ende der Barcode -Ära einläuten wird. Auch wenn der Transponder zweifelsohne gegenüber dem Barcode einige technische Vorteile bietet, so sollte die Diskussion um „die richtige“ Technik sachlicher und weniger visionär geführt werden.
Der Barcode deckt heute ca. zwei Drittel aller automatischen Identifikationsanwendungen in der Logistik ab. 2D-Barcodes mit mehr Informationen liegen im einstelligen Prozentbereich. Sicher ist, dass der Barcode noch auf Jahrzehnte bleiben wird. Etablierte Standards, vorhandene Infrastruktur und die einfache Integration in die logistischen Prozesse entlang der Supply Chain sprechen dafür. Ohnehin zeichnet sich mehr und mehr die intelligente Kopplung von unterschiedlichen Technologien als best practice ab, um sämtliche technischen Anforderungen aus dem logistischen Prozess zu erfüllen.
1855 gelang es J. C. Maxwell alle Erscheinungen zu beschreiben, bei denen elektrische und magnetische Felder miteinander verknüpft sind. Unabhängig von allen neuen Features, die in Transponder in Zukunft integriert werden, Pulklesung, Kryptochips, Chipsharing, auch noch so geniale technologische Entwicklungen können Maxwell nicht umgehen. Ach ja, Sie haben die Demonstration doch auf der letzen XYZ-Messe gesehen. Was denken sie, an wie vielen Schrauben man drehen kann, damit die Messe-Demo funktioniert? Dazu braucht man nicht Nachrichtentechnik zu studieren.
RFID.TrueLies by Katrin Reiher at 20.02.2007 12:55
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